Wix, Jimdo und Squarespace verlassen
Was sich wirklich exportieren lässt, in welcher Reihenfolge der Umzug läuft und wie die Sichtbarkeit bei Google erhalten bleibt.
Kurze Antwort: Ein Umzug vom Baukasten auf eine eigene Website ist kein Datentransfer, sondern ein Neuaufbau, bei dem die Inhalte übernommen werden. Wix und Jimdo bieten keinen Export der Website an. Squarespace exportiert nur in der älteren Version 7.0 eine XML-Datei mit Blogbeiträgen und einfachen Seitentexten; die aktuelle Standardversion 7.1 hat keinen XML-Export. Webflow ist die Ausnahme: dort lässt sich der Code als ZIP herunterladen, allerdings ohne CMS-Inhalte und nur mit kostenpflichtigem Workspace-Plan. Erhalten bleiben in allen Fällen die Inhalte und – wenn die Domain mitgenommen und jede alte URL per 301 weitergeleitet wird – auch die Rankings. Verloren geht das Layout, weil es an die Plattform gebunden ist.
Was sich pro Anbieter exportieren lässt
Die wichtigste Frage vor dem Umzug ist nicht, wohin es geht, sondern was überhaupt mitkommt. Die Antwort fällt je nach Plattform deutlich unterschiedlich aus – und ist bei den meisten ernüchternder, als Anbieterwerbung vermuten lässt.
| Plattform | Export | Was mitkommt | Was manuell nachgebaut werden muss |
|---|---|---|---|
| Wix | nein | Einzeln heruntergeladene Medien; Texte per Kopieren und Einfügen | Komplettes Layout, Seitenstruktur, Navigation, alle plattformseitigen Funktionen |
| Jimdo | nein | Einzeln heruntergeladene Medien; Texte per Kopieren und Einfügen | Komplettes Layout, Seitenstruktur, Navigation |
| Squarespace 7.1 | nein | Nur manuell gesicherte Inhalte | Alles außer den kopierten Texten und Bildern |
| Squarespace 7.0 | teilweise | XML-Datei mit Blogbeiträgen und einfachen Seitentexten | Bilder, Galerien, Portfolio- und Produktseiten, Audio- und Videoblöcke, eigenes CSS, Navigation |
| Webflow | ja | HTML, CSS, JavaScript und Assets als ZIP; CMS-Sammlungen einzeln als CSV | CMS-Inhalte im Code, E-Commerce, Nutzerkonten, Formularverarbeitung, lokalisierte Seiten |
Der Grund ist bei allen geschlossenen Systemen derselbe: Die ausgelieferte Seite ist zwar HTML, CSS und JavaScript, aber Aufbau, Datenhaltung und Funktionen liegen in der Plattform. Was der Browser sieht, ist ein Ergebnis, kein Bauplan. Deshalb ergibt es auch selten Sinn, die gerenderte Seite mit einem Crawler zu sichern: man erhält Code, den niemand pflegen kann.
Praktisch heißt das: Der Umzug ist der richtige Zeitpunkt, Inhalte zu überarbeiten statt sie zu retten. Was in fünf Jahren Baukasten gewachsen ist, enthält meist Seiten, die niemand mehr aufruft.
Angaben nach dem Stand vom 15. August 2026. Anbieter ändern ihre Exportmöglichkeiten gelegentlich – vor dem Umzug lohnt ein Blick in die aktuelle Hilfe der jeweiligen Plattform.
Die Reihenfolge, die Ausfall verhindert
Hier liegt der häufigste und teuerste Fehler: zuerst kündigen, dann umziehen. Wer so vorgeht, verliert Zugriff auf Inhalte, die noch nicht gesichert sind, und hat im schlechtesten Fall wochenlang keine erreichbare Website. Die Reihenfolge ist deshalb keine Empfehlung, sondern der eigentliche Inhalt dieses Kapitels.
- Bestand aufnehmenAlle bestehenden URLs erfassen – aus der Sitemap des Baukastens oder aus der Google Search Console. Notieren, welche Seiten tatsächlich Besucher oder eingehende Links haben. Diese Liste ist später die Grundlage für die Weiterleitungen.
- Inhalte sichernTexte, Bilder in Originalauflösung, Logos und Dokumente herunterladen, solange der Vertrag läuft. Bei Wix und Jimdo ist das Handarbeit und der zeitaufwendigste Schritt.
- Neue Website fertigstellenDie neue Seite vollständig auf einer Testadresse aufbauen und abnehmen, während die alte weiterläuft. Erst wenn alles steht, wird umgeschaltet.
- Weiterleitungen vorbereitenJede alte URL bekommt ein neues Ziel. Die 301-Regeln liegen auf dem neuen Hosting, nicht im Baukasten.
- Domain umziehenDie Domain auf das neue Hosting zeigen lassen, SSL-Zertifikat prüfen, Erreichbarkeit über beide Varianten mit und ohne www testen.
- Search Console aktualisierenNeue Sitemap einreichen, Weiterleitungen stichprobenartig prüfen, Indexierung und Rankings über vier bis acht Wochen beobachten.
- Erst jetzt kündigenDer Baukasten-Vertrag wird beendet, nachdem die neue Seite live läuft und die Weiterleitungen greifen. Vorher nicht.
Rankings behalten: der Teil, den die meisten Anleitungen auslassen
Suchmaschinen kennen die alten Adressen. Verschwinden sie ersatzlos, verschwindet die Sichtbarkeit mit. Dagegen hilft genau eine Maßnahme: jede alte URL per 301-Weiterleitung auf ihr inhaltliches Gegenstück auf der neuen Seite schicken.
Warum die Weiterleitungen auf dem neuen Hosting liegen müssen
Wix und Squarespace haben eigene Weiterleitungsverwaltungen. Die nützen beim Umzug allerdings nichts: Sobald die Domain nicht mehr auf den Baukasten zeigt, wird dort auch keine Regel mehr ausgeführt. Anfragen landen direkt auf dem neuen Server – und der muss wissen, was mit den alten Pfaden zu tun ist. Die Zuordnung gehört deshalb in die Konfiguration des neuen Hostings, bevor die Domain umgestellt wird.
Ohne eigene Domain gibt es keinen Weg
Läuft die bisherige Seite unter einer Adresse des Anbieters, etwa nach dem Muster name.wixsite.com, gehört diese Adresse dem Anbieter. Sie lässt sich nicht mitnehmen und nicht weiterleiten. Die aufgebaute Sichtbarkeit und alle eingehenden Links gehen verloren – die neue Seite startet bei null. Das ist der stärkste Grund, von Anfang an eine eigene Domain zu registrieren.
Was sonst noch zu prüfen ist
- Weiterleitung auf eine inhaltlich passende Seite, nicht pauschal alles auf die Startseite
- Keine Ketten aus mehreren Weiterleitungen hintereinander
- Seitentitel und Meta-Beschreibungen der gut laufenden Seiten übernehmen
- Neue Sitemap einreichen, alte aus der Search Console entfernen
- Externe Verweise aktualisieren, wo möglich: Google-Unternehmensprofil, Branchenverzeichnisse, Social-Media-Profile
Ein vorübergehender Rückgang in den ersten Wochen ist normal, solange Suchmaschinen die neuen Adressen erfassen. Bleiben die Weiterleitungen sauber, pendelt sich die Sichtbarkeit wieder ein.
Was nach dem Umzug anders ist
Der offensichtliche Unterschied ist die monatliche Rechnung, die wegfällt. Der wichtigere ist das Eigentum: Die Quelldateien liegen beim Kunden, die Seite lässt sich jederzeit zu einem anderen Hoster mitnehmen, und niemand kann Funktionen streichen oder Preise anheben.
Dazu kommt die Ladezeit. Baukästen liefern eine Codebasis aus, die alle Funktionen der Plattform bedienen muss – auch die, die eine konkrete Seite nie nutzt. Der HTTP Archive Web Almanac 2025 weist für mobile Seiten ein Median-Seitengewicht von 2.894 KB bei WordPress und 3.974 KB bei Squarespace aus. Eine handgeschriebene Seite enthält nur das, was das Projekt tatsächlich braucht.
Was der Umzug nicht ist: eine Verbesserung an sich. Wer dieselben Inhalte in ein neues Layout schiebt, hat eine schnellere Website mit denselben Schwächen. Die Gelegenheit liegt darin, gleichzeitig Struktur, Texte und Nutzerführung zu überarbeiten.
Datengrundlage zum Seitengewicht:
WordPress oder handgeschrieben?
Fast alle deutschen Umzugsanleitungen enden bei WordPress. Das ist eine gültige Antwort, aber nicht die einzige und nicht immer die richtige.
WordPress lohnt sich, wenn regelmäßig und von mehreren Personen Inhalte veröffentlicht werden: ein Blog mit Redaktion, ein Magazin, eine Seite mit häufig wechselnden Angeboten. Dafür ist ein Redaktionssystem gebaut.
Eine handgeschriebene Website lohnt sich, wenn die Seite überwiegend informiert und selten geändert wird – der Normalfall bei Unternehmenswebsites. Dann entfällt der laufende Aufwand für Kern-, Theme- und Plugin-Updates, es gibt keine Angriffsfläche über Erweiterungen, und die Ladezeit ist ohne Optimierungsaufwand niedrig.
Die ehrliche Entscheidungsfrage lautet nicht „welches System ist besser", sondern: Wie oft ändert jemand aus dem Unternehmen selbst etwas an der Website? Bei „mehrmals im Monat" spricht viel für ein CMS. Bei „ein paar Mal im Jahr" zahlt man für Komfort, den niemand nutzt.
moris.software baut den zweiten Fall: statische Websites aus handgeschriebenem HTML, CSS und JavaScript, inklusive Übergabe der Quelldateien. Wie ein Angebot dafür entsteht, steht im Ratgeber Was kostet eine Website?
Ein Nebeneffekt, der beim Umzug oft übersehen wird: Erst mit Zugriff auf robots.txt, Dateien im Hauptverzeichnis und das JSON-LD im Quelltext lässt sich eine Website gezielt für KI-Suche aufbereiten. Was dabei zählt, steht unter KI-Sichtbarkeit.
Häufige Fragen
Kann man eine Wix-Website exportieren?
Nein. Wix bietet keinen Export der Website als Quelldateien an. Herunterladen lassen sich nur einzelne Medien; Texte müssen manuell übernommen werden. Seitenstruktur und plattformseitige Funktionen bleiben bei Wix. Der Umzug ist deshalb ein Neuaufbau, bei dem nur die Inhalte übernommen werden.
Bietet Jimdo eine Exportfunktion?
Nein. Jimdo hat keine Exportfunktion für Website-Inhalte. Texte werden kopiert, Bilder einzeln heruntergeladen und auf der neuen Seite wieder eingebunden. Bei umfangreichen Seiten ist das der zeitaufwendigste Teil des Umzugs.
Was exportiert Squarespace?
Nur eingeschränkt und nur in älteren Versionen. Die XML-Ausgabe steht in Squarespace 7.0 zur Verfügung und umfasst Blogbeiträge und einfache Seitentexte. Version 7.1, die aktuelle Standardversion, bietet keinen XML-Export. Nicht enthalten sind in beiden Fällen Bilder, Galerien, Portfolio- und Produktseiten, Audio- und Videoblöcke, eigenes CSS sowie die Navigation.
Gehen beim Umzug die Google-Rankings verloren?
Nicht zwangsläufig. Entscheidend ist, dass die Domain erhalten bleibt und jede alte URL per 301 auf ihr inhaltliches Gegenstück weitergeleitet wird. Diese Weiterleitungen müssen auf dem neuen Hosting liegen, denn Regeln im Baukasten wirken nicht mehr, sobald die Domain woanders hinzeigt. Ohne eigene Domain, etwa bei einer Adresse wie name.wixsite.com, ist keine Weiterleitung möglich und die bisherige Sichtbarkeit geht verloren.
Wann sollte der Baukasten-Vertrag gekündigt werden?
Zuletzt. Erst wenn die neue Website live ist, die Domain auf das neue Hosting zeigt und die Weiterleitungen greifen, wird gekündigt. Wer zuerst kündigt, verliert den Zugriff auf noch nicht gesicherte Inhalte und riskiert eine Zeit ohne erreichbare Website.
Ist WordPress das richtige Ziel für den Umzug?
Nur wenn regelmäßig selbst Inhalte veröffentlicht werden sollen, etwa ein Blog mit mehreren Autoren. WordPress löst das Eigentumsproblem, bringt aber laufende Updates für Kern, Theme und Plugins mit. Für Unternehmenswebsites, die selten geändert werden, ist eine handgeschriebene statische Website meist die wartungsärmere und schnellere Lösung.
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